Sotschi 2013 – Einzelwettkampf der Männer

Einzelwettkampf der Männer – 07. März 2013

Der Franzose Martin Fourcade hat in einem dramatischen Finale den Einzelwettkampf in Sotschi (RUS) gewonnen. Auf den weiteren Plätzen folgten Andi Birnbacher und der Ukrainer Serhij Semenov. Martin Fourcade konnte sich damit auch schon frühzeitig als Gewinner des Gesamtweltcups feiern lassen, weil sein größter Kontrahent, der Norweger Emil Hegle Svendsen, krankheitsbedingt nicht an den Start gehen konnte und Fourcade nun uneinholbar in Führung liegt.

In der deutschen Mannschaft hatte es für den Weltcup in Sotschi einige Veränderungen gegeben. Nachdem am Holmenkollen in Oslo bereits Daniel Böhm die Rückkehr in den A – Kader ermöglicht wurde, waren nun auch wieder einmal Benedikt Doll und erstmalig in dieser Saison auch Christoph Stephan wieder dabei. Besonders auf Benedikt Doll durfte man gespannt sein. Das Nachwuchstalent von der SZ Breitnau war bereits in Hochfilzen dabei und konnte sich sowohl im Sprint als auch in anschließenden Jagdrennen Weltcuppunkte erkämpfen. Danach führte sein Weg vorerst einmal zurück in den IBU Cup und von dort zu den Europameisterschaften. In Bansko (BUL) erkämpfte er sich die Silbermedaille im Sprint und die Goldmedaille in der Verfolgung.

Nicht weniger interessant wird die Rückkehr von Christoph Stephan zu beobachten sein. Der 28-jährige Rudolfstädter musste in der letzten Saison krankheitsbedingt pausieren und hat sich nun über den IBU Cup in das A – Team zurück gekämpft.

In Sotschi gingen insgesamt sieben Athleten für Deutschland an den Start. Neben den bereits erwähnten Athleten waren auch noch Arnd Peiffer, Erik Lesser, Florian Graf und Andi Birnbacher dabei. Für das etablierte DSV Quartett war die Saison eigentlich schon gelaufen. Für alle ging es zwar noch darum ein paar Weltcuppunkte zu sammeln um sich eventuell in der Weltrangliste ein bisschen zu verbessern, aber wahrscheinlich werden bei den meisten die Gedanken schon mehr in Richtung Olympische Spiele gegangen sein. Eindrücke und Erfahrungen sammeln, Strecken testen, auch das kann wichtig sein wenn es hier im nächsten Jahr um olympische Medaillen geht.

Sotschi selbst präsentiert sich als der „absolute Wahnsinn“. Ein gigantisches Stadion, mit den vermeintlich schwierigsten Biathlonstecken der Welt, hinterließen bei den Athleten schon beim ersten hingucken gewaltige Eindrücke. Das Wetter ebenso unglaublich! Strahlend blauer Himmel, (schöner kann man einen Horizont auch nicht malen) dazu Plus Temperaturen und nur minimaler Wind. Optimale Bedingungen für alle Athleten, auch für die mit den höheren Startnummern.

Andi Birnbacher durfte mit der Startnummer 12 als erster DSV Starter auf die Olympiastrecke von 2014. Vor ihm waren mit dem Schweden Frederik Lindström, die Österreicher Dominik Landertinger und Fritz Pinter sowie dem Norweger Ole Einar Björndalen bereits Athleten in die Loipe gegangen die ein guter „Gradmesser“ für Andi sein konnten. Es begann gut für „Birnei“. Er kam ungefähr Zeitgleich mit seinen vermeintlich stärksten Kontrahenten zum ersten liegenden Anschlag und blieb gleich fehlerfrei. Endlich einmal wieder ein ordentlicher Einstieg in einen Wettkampf. In den letzten Wochen war das nicht immer so.

Nun war auch Florian Graf unterwegs. Bereits nach der 2,2 km Marke lag er allerdings schon 25 Sekunden hinter dem zu diesem Zeitpunkt führenden Evgeny Garanitchev zurück. Zudem verfehlte er beim ersten Anschlag auch noch eine Scheibe. Der Rückstand war nun schon auf 1:27 Minuten angewachsen. Jetzt muss aber wirklich alles klappen.

Andi Birnbacher kam in der Zwischenzeit zum zweiten Anschlag und setzte sich mit einem weiteren „Nuller“ erst einmal in Führung. Auch Ole Einar Björndalen (NOR) und Serhij Semenov (UKR) waren noch fehlerlos, aber Andi hatte schon fast 20 Sekunden Vorsprung. Bisher waren aber erst zwölf Athleten durch und eine Standortbestimmung noch äußerst schwierig.

Nun ging es „Schlag auf Schlag“. Arnd Peiffer – erster Anschlag – fehlerfrei. Florian Graf – zweiter Anschlag – zweite Strafminute. Erik Lesser – erster Anschlag – fehlerfrei. Benedikt Doll – erster Anschlag – fehlerfrei. Es sah gut aus für die deutschen Männer.

Schon war Andi Birnbacher wieder da. Und es war schon fast unglaublich. In der Loipe setzte er die Bestzeiten und auch im Schießstand konnte er seine „weiße Weste“ beibehalten. Nach dem dritten Anschlag lag er nun deutlich in Führung und setzte damit natürlich auch das restliche Teilnehmerfeld ordentlich unter Druck.

Jetzt waren die anderen wieder an der Reihe. Der bislang zweitplatzierte Serhij Semenov legte seinen vierten „Nuller“ hin und setzte somit auch Andi Birnbacher wieder unter Druck. Arnd Peiffer leistete sich im zweiten Anschlag seinen ersten Fehler. Florian Graf blieb beim dritten Anschlag zum ersten Mal fehlerfrei. Erik Lesser erwischte es gleich zweimal.

Nun war Andi wieder dran. Kann er die Nerven behalten und Serhij Semenov Paroli bieten? Das Zittern konnte beginnen: Ja  Ja – Ja – Ja – Ja. Super!!!! Andi Birnbacher liegt auf dem 1. Platz. Nun noch eine starke Schlussrunde und dann heißt es geduldig im Ziel warten, denn es sind insgesamt 105 Teilnehmer im Wettkampf dabei und ein paar Top Favoriten kommen noch ganz spät dran.

Schon schnell wurde klar, das Warten beschränkte sich dann aber auf den Franzosen Martin Fourcade. Die anderen Athleten schienen, schon allein läuferisch, nicht in der Lage zu sein Andi Birnbacher noch zu gefährden. Gleich beim ersten Anschlag leistete sich der Franzose einen Fehler und fiel vorerst einmal zurück. Der zweite Anschlag brachte einen „Nuller“. Die Laufzeit von Martin Fourcade war zu diesem Zeitpunkt deutlich besser. Noch war alles möglich!

Der dritte Anschlag von Martin Fourcade. Treffer – Treffer – Treffer – Treffer – Treffer. Immer noch keine Entscheidung. Nur noch 29,7 Sekunden Rückstand auf Andi Birnbacher!

Der vierte Anschlag von Martin Fourcade. Treffer – Treffer – Treffer – Treffer – Treffer. Immer noch keine Entscheidung. Nur noch 16 Sekunden. Jetzt wird es richtig eng!

Der Vorsprung schmolz immer mehr. Nach 18,2 km waren es noch 7,8 Sekunden. Bei der Zwischenzeit nach 18,8 km lag der Franzose dann in Führung. Schade – Dieser Franzose ist einfach der Hammer und in dieser Verfassung schier unschlagbar. Dennoch, ein „super Wettkampf“ von Birnei und 54 Weltcuppunkte. Im Gesamtweltcup belegt Andi nun mit 589 Punkten wieder den 6. Platz.

 

Die größte Überraschung war neben Andi Birnbacher dann aber der bereits am Anfang erwähnte Benedikt Doll. Der machte den bisher besten Wettkampf seiner noch jungen Karriere und landete am Ende auf einem hervorragenden 6. Platz. Respekt!!!!

 

1. Martin Fourcade (FRA) (1-0-0-0)
2. Andreas Birnbacher (GER) (0-0-0-0) (+6,9)
3. Serhij Semenov (UKR) (0-0-0-0) (+31,9)
6. Benedikt Doll (GER) (0-1-0-0) (+59,3)
35. Arnd Peiffer (GER) (0-1-0-1) (+4:09,6)
42. Florian Graf (GER) (1-1-0-1) (+4:52,2)
45. Erik Lesser (GER) (0-2-1-0) (+4:59,1)
55. Christoph Stephan (GER) (1-1-0-1) (+5;53,1)
DNF Daniel Böhm