Pfiad Di!

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Herzlichen Dank für eine wunderbare Zeit!!!
Einige werden es sich vielleicht in den letzten Monaten schon gedacht haben (zumindest habe ich in letzter Zeit enorm viele Fragen zu diesem Thema bekommen): Ja, jetzt ist es also soweit. Ich werde mit der WM in Oslo und zu Saisonende meine aktive Karriere als Biathlet beenden! Mir ist es wichtig, dass ich mit einem positiven Gefühl aufhöre. Also dann, wenn ich noch mit den besten Biathleten der Welt mithalten kann und nicht erst, wenn ich leistungsmäßig mehr oder weniger zum Rücktritt gezwungen werde.
In den letzten Jahren habe ich natürlich gemerkt, dass die Luft in der Weltspitze immer dünner wird. Und durch meine zahlreichen Verletzungen war es auch nicht gerade immer einfach, immer wieder an meine Bestform heranzukommen. Trotzdem habe ich in den letzten beiden Jahren mit konstant guten Leistungen im vorderen Weltcup-Feld mitkämpfen können. Auch wenn es vielleicht nicht mehr so oft zu den ganz vorderen Platzierungen gereicht hat wie früher.
Meine Entscheidung, nach der WM und zu Saisonende meine sportliche Laufbahn zu beenden, ist jetzt doch relativ schnell gefallen. Ich merke einfach, dass es jetzt Zeit ist, zu gehen. Das Alter geht eben auch an mir nicht spurlos vorbei und mittlerweile zwickt es doch viel häufiger als noch vor ein paar Jahren. Die Motivation, der sportliche Ehrgeiz und Antrieb für hartes, bestmögliches Training resultiert immer aus dem „besser werden wollen“ und der geringste Zweifel daran reicht schon, um nicht mehr konsequent genug das Beste aus sich herauszuholen. Ich müsste nochmal komplett alle Register ziehen, um diesen Schritt zu machen. Das würde bedeuten, dass ich ein relativ egoistisches Leben ohne Kompromisse führen müsste. Außerdem müsste ich wahrscheinlich noch einmal eine komplette Trainingsumstellung vornehmen. Noch härter und konsequenter trainieren und regenerieren als zuletzt! Aber genau das lässt sich mit einer Familie mit zwei Kindern einfach nicht mehr bewerkstelligen. Und ich will das auch nicht. Die Familie steht jetzt ganz klar im Vordergrund und hat in den letzten Jahren lange genug auf mich verzichten müssen.
Für mich persönlich schließt sich nach vielen Jahren in der Weltspitze der Kreis. Ich erinnere mich gerne an die zahlreichen Highlights und Erfolge, aber natürlich vergesse ich auch die Misserfolge nicht. Die gehören zu einer Sportlerkarriere auch dazu. Nach Niederlagen aufzustehen und sich zurück zu kämpfen, anstatt aufzugeben war für mich genauso wertvoll wie jeder Weltcupsieg. Ich war und bin glücklich und dankbar dafür, dass ich in diesem Sport eine so tolle und erfolgreiche Zeit erleben durfte.
Sport ist wahrscheinlich das Schönste wenn alles läuft, aber genauso kann Leistungssport auch grausam sein, wenn man keine Ahnung hat, warum sich das harte Training so gar im Wettkampf nicht auszahlt. Dieser permanente Leistungsdruck, der mich die letzten 17 Jahre meiner Profikarriere begleitet hat, fällt nun ab und ich brauche nicht mehr zu überlegen, ob ich am Wochenende mal länger wachbleibe oder nicht doch schon lieber früher ins Bett gehe, damit ich am nächsten Tag im Training ausgeschlafen bin. Ob ich jemanden besuchen kann, der vielleicht ein Schnupfen hat. Oder was ich noch alles trainiere kann, um noch besser zu werden.
Ich freue mich jetzt auf ein wenig Ruhe mit der Familie, mal das tun zu können, worauf man Lust hat, aber auch auf eine neue Herausforderung, die sicher nicht lange auf sich warten lässt. Als Sportler lernt man zielstrebig zu sein. Deshalb werden sich schon bald wieder neue Ziele ergeben.
Als Erstes werde ein Studium an der Sporthochschule in Köln beginnen, um dort mein Trainerdiplom zu machen. Ich will meine Erfahrungen, die ich als Athlet gesammelt habe, gerne an andere, jüngere Sportler weitergeben. Ich glaube, dass mir das liegt. Und damit bleibe ich dem Biathlon auf alle Fälle verbunden.
Ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die mir diese Karriere ermöglicht haben und mich in all den Jahren unterstützt haben!
An erster Stelle natürlich meiner ganzen Familie und allen Freunden, die lange auf mich verzichten mussten und ihr eigenes Leben auch teilweise nach meinem Sport gerichtet haben. Danke auch an meinen Arbeitgeber, die Bundeswehr, an alle Trainer die mich von klein auf begleitet haben, an alle Physiotherapeuten, Mannschaftsärzte, Skitechniker, Betreuer, an meine Sportkollegen, Manager, Sponsoren und Partner! Ich habe Euer Vertrauen immer sehr zu schätzen gewusst! Natürlich auch vielen Dank an meinem Fanclub und an alle Fans, die immer die Daumen für mich gedrückt haben! Vielen Dank für Eure Unterstützung! Ohne Euch wäre mir dieses Leben als Sportler nicht möglich gewesen!
Servus Euer Andi