Nove Mesto 2013 – Staffel der Männer

Staffel der Männer – 16. Februar 2013

Deutschlands Männer haben sich die erste Medaille bei der diesjährigen Weltmeisterschaft geholt. Weltmeister wurde Norwegen (O. E. Björndalen, H. L´abee-Lund, T. Boe,  E. H. Svendsen). Die Silbermedaille sicherten sich die Franzosen (S. Fourcade, J. G. Beatrix, A. Boeuf, M. Fourcade). Die Bronzemedaille erkämpften sich Simon Schempp, Andi Birnbacher, Arnd Peiffer und Erik Lesser.

Die Weltmeisterschaft in Nove Mesto na Morave war im bisherigen Verlauf eine herbe Enttäuschung für das erfolgsverwöhnte deutsche Team. Nur wenige Highlights konnten die zahlreich nach Tschechien mitgereisten Fans in den acht abgelaufenen Wettbewerben begeistern. Neben der Silbermedaille von Andrea Henkel und den ordentlichen Ergebnissen von Miriam Gössner im Sprintwettkampf und Andi Birnbacher im Einzelwettkampf war nur der Auftritt der jungen Laura Dahlmeier im Staffelwettkampf der Frauen als wirklich spektakulär (aus deutscher Sicht) zu betrachten.

Für die letzten Wettkämpfe sollte nun unbedingt nach etwas zählbares für die DSV Athleten herausspringen. Um die Gemüter zu beruhigen musste eigentlich schon fast eine Medaille in der Staffel der Männer her. Wenn das man bloß alles so einfach wäre! Beim Blick auf die Aufstellungen der Top Nationen musste man da schon arge Zweifel haben ob das zu verwirklichen ist. Russland mit A. Shipulin, E. Ustyougov, E. Garanichev, D. Malyshko, Norwegen mit O.E. Björndalen, H. L´abee-Lund, T. Boe, E.H. Svendsen und Frankreich mit S. Fourcade, J.G. Beatrix, A. Boeuf, M. Fourcade. Allein bei diesen drei Konkurrenten gingen sieben Athleten an den Start die derzeit unter den Top 10 der Welt zu finden sind. Das wird sehr schwierig!!!

Die Deutsche Mannschaft ging in der Reihenfolge Simon Schempp, Andi Birnbacher, Arnd Peiffer und Erik Lesser an den Start. Die Vysocina Arena war mit 27.000 begeisterten Zuschauern total ausverkauft. Das Wetter und die Wettkampfbedingungen waren wieder einmal bestens. Nun sollte bei unserer Mannschaft endlich einmal alles zusammenpassen, damit wir nicht wieder das Fazit ziehen mussten „erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“.

Simon Schempp musste es als Startläufer u.a. mit Simon Fourcade, Anton Shipulin, Ole Einar Björndalen, Carl Johan Bergman aufnehmen. Von Beginn an „ging die Post richtig ab“. Bei insgesamt 29 angetretenen Staffeln war wohl jeder froh wenn er sich frühzeitig dem Getümmel entziehen konnte. Simon machte das in der Eröffnungsrunde sehr geschickt und kam auf dem 6. Platz liegend zum ersten Anschlag in die Arena. Das Teilnehmerfeld lag zu diesem Zeitpunkt noch sehr eng zusammen. Am Schießstand hinterließ Simon, wie schon gewohnt, einen zuverlässigen Eindruck und ging ohne Nachlader in die nächste Runde. Österreich lag vorn – Deutschland auf dem 5. Platz . Bis zum zweiten Schießen tat sich nur wenig in der Loipe. Die Kontrahenten belauerten sich und lieferten sich eher ein taktisches Duell. Keiner suchte eine frühe Entscheidung. Simon benötigte auch beim zweiten Anschlag keine Nachlader und ging gemeinsam mit Simon Eder in die Schlussrunde. Dort konnte er sich sogar noch leicht absetzen und schickte Andi Birnbacher auf dem 1. Platz liegend in seine Runden. Eine sehr gute Leistung vom Uhinger!!!

Andi Birnbacher hatte es auf seiner Runde u.a. mit Daniel Mesotitsch, Björn Ferry, Jean Beatrix, Evgeny Ustyougov, Klemen Bauer, Henrik Lábee-Lund zu tun. Alle Favoriten waren vorne mit dabei. Lediglich Frankreich hatte bereits 28 Sekunden Rückstand. Andi bekam von Fritz Fischer die Anweisung auf keinen Fall zu überziehen und ließ den läuferisch starken Tschechen Moravec die Führungsarbeit leisten. Das lohnte sich! Fünf Treffer beim liegenden Anschlag – Deutschland bisher ohne Nachlader – Klasse!!! Nun lief der Russe Evgeny Ustyougov in der Spitzenposition – Andi Birnbacher blieb vorerst im Windschatten, wollte am Schießstand überzeugen und in der Schlussrunde „richtig Gas geben“. Russland, Norwegen, Österreich und Deutschland kamen gleichzeitig zum Schießstand. Andis Plan ging vollkommen auf. Wieder kein Nachlader und die anderen verloren Zeit. Norwegen und Deutschland lagen nun vorne. Nun ging es mit höchstem Tempo zum zweiten Wechsel. Klasse Leistung auch vom Schlechinger!!!

Arnd Peiffer hatte nun die Aufgabe mit Tarjei Boe „mit zu gehen“ und Evgeny Garanichev, Christoph Sumann und den Rest der Welt auf Distanz zu halten. Nun hieß es für Arnd nur, sich an seine tollen Leistungen vom letzten Jahr zu erinnern. In diesem Jahr lief es nicht immer nur positiv für ihn, aber das konnte er heute mit einem Schlag in Vergessenheit geraten lassen. In der Loipe lief Arnd sogar vor dem Norwegen. Ihm blieb auch nichts anderes übrig denn der Russe Evgeny Garanichev holte auf. Es ist kaum zu fassen, auch Arnd blieb ohne Nachlader, wann hat es das zum letzten Mal gegeben. Norwegen, Russland und Deutschland lieferten sich eine Dreikampf auf Weltklasse Niveau. Österreich lag zu diesem Zeitpunkt als vierter 21 Sekunden, Frankreich als fünfter bereits 46 Sekunden zurück. Die Show der Norweger und der Deutschen ging weiter. Nach sechs Schiesseinlagen immer noch kein Nachlader für das DSV Team. Was ist denn heute los? Das ist ja unglaublich!!! Norwegen auf dem 1. Platz – 16,6 Sekunden dahinter das DSV Team.

Der Druck lag nun allein auf Erik Lesser. Der Vorsprung auf den drittplatzierten (1:03 Minuten) war schon riesig und eigentlich war die erhoffte Medaille nicht mehr zu verspielen. Kann Erik mit Emil Hegle Svendsen mithalten, oder ist da sogar noch mehr drin? Svendsen hatte den Einzelwettkampf wegen Krankheit ausgelassen, ist er Topfit? Emil Hegle gab die passende Antwort. Ohne Nachlader blieb er nach seinem ersten Anschlag souverän in Führung. Für Deutschland ging die Serie weiter. Der siebente Nuller in Folge – Wahnsinn!!!

Der Vorsprung auf den dritten Platz wurde immer größer (1:20 Minuten). Es ging nur noch um die Goldmedaille. Die silberne war eigentlich schon sicher, obwohl man da beim Biathlon immer vorsichtig sein sollte. Das letzte Schießen. Nur eine Strafrunde für Norwegen kann Deutschland noch die Goldmedaille bringen. Der absolute Wahnsinn geht weiter – Erik Lesser lässt erst drei Scheiben stehen und muss dann selbst zweimal in die Strafrunde. Die Nerven liegen blank- jetzt wird es noch einmal eng. Der Vorsprung beträgt nur noch 13 Sekunden. Geht das noch gut?

In der Arena fiebern Simon Schempp, Andi Birnbacher und Arnd Peiffer mit und zittern um die sicher geglaubte Silbermedaille. Martin Fourcade zieht kurz vor dem Ziel vorbei. Die Silbermedaille ist weg! Wo sind die anderen? Zum Glück weit genug entfernt. Erik rettet wenigstens noch die Bronzemedaille.

Was für ein dramatischer Wettkampf – der absolute Hammer!

 

1. Norwegen      (0+5) 
O.E. Björndalen (0/3), H. L´abee-Lund (0/0), T. Boe (0/1),  E. Svendsen (0/1)
2. Frankreich  (0+7) (+1:12,8)
S. Fourcade (0/3), J. G. Beatrix (0/1), A. Boeuf (0/1), M. Fourcade (0/2)
3. Deutschland  (2+3)   (+1:18,5)
S. Schempp (0/0), A. Birnbacher (0/0), A. Peiffer (0/0), E. Lesser (2/3)