Khanty Mansiysk 2013 – Verfolgung der Männer

Verfolgungswettkampf der Männer – 16. März 2013

Der Österreicher Christoph Sumann sorgte beim Verfolgungswettkampf in Khanty Mansiysk (RUS) für eine nicht erwartete Sensation und gewann das Jagdrennen vor den beiden Franzosen Simon und Martin Fourcade.
 
Neben Martin Fourcade (FRA) und Lukas Hofer (ITA) gab es noch mehrere andere Gewinner beim Sprintwettkampf am Freitag. Das Team Austria konnte sich gleich mit vier Athleten unter den Top 12 eine sensationell gute Ausgangsposition für das Jagdrennen verschaffen und das der schlechteste DSV Starter nicht einmal 90 Sekunden hinter dem zweitplatzierten in den Wettkampf gehen durfte war auch schon lange nicht mehr da gewesen. Sieben deutsche Athleten hatten somit immer noch gute Chancen ganz vorne hineinzulaufen.
 
Wo es so viele Gewinner gab, müssen erfahrungsgemäß auch einige Verlierer gewesen sein. Am härtesten traf es den Russen Dmitri Malyshko (69.) und den Slowenen Jakov Fak (72.). Beide konnten sich nicht einmal für den Verfolgungswettkampf qualifizieren und verlieren somit auch wichtige Punkte für die Gesamtweltcupwertung. Auch der Slowene Klemen Bauer (67.), der Franzose Alexis Boeuf (68.) und der Tscheche Jaroslav Soukup (75.) landeten auf ungewohnten, hinteren Plätzen. War das der in den vergangenen Tagen grassierende Magen Darm Virus?
 
Am meisten könnte Andi Birnbacher vom Missgeschick der anderen profitieren. Andi selbst musste in dieser Saison auch schon einige Male aus gesundheitlichen Gründen auf  Wettkämpfe verzichten und bekam durch den Ausfall von Jakov Fak nun plötzlich die Chance, mit einer guten Platzierung, wieder auf den dritten Platz im Gesamtweltcup zu springen. Auch Erik Lesser hat, durch den Ausfall von Alexis Boeuf, zumindest den 15. Platz im Gesamtweltcup ziemlich sicher.
 
Der Verfolgungswettkampf war eigentlich schon vor dem Start entschieden. Der Franzose Martin Fourcade ging mit einem Vorsprung von 39,6 Sekunden in das Jagdrennen. Bei seiner derzeitigen Klasse konnte es kaum Zweifel daran geben, dass der „Dominator der Saison 2012/2013“ auch heute ganz oben auf dem Treppchen stehen wird. Die Frage, wer bei der Siegerehrung neben Martin Fourcade stehen wird, war da schon um einiges schwerer zu beantworten.
 
Den Südtiroler Lukas Hofer auf dem 2. Platz und den Norweger Emil Hegle Svendsen auf dem 30. Platz trennten lediglich 60 Sekunden. Das glich schon fast einem Massenstartrennen. Mittendrin mit Andi Birnbacher (SC Schleching), Florian Graf (WSV Eppenschlag), Arnd Peiffer (WSV Clausthal Zellerfeld), Daniel Böhm (SC Buntenbock) und Erik Lesser (SV Eintracht Frankenhain) fünf DSV Athleten. Nur ein paar Sekunden dahinter folgten auch noch Christoph Stephan (WSV Oberhof) und Benedikt Doll (SZ Breitnau).
 
Leichter Schneefall behinderte die Athleten vor allen im Schießstand. Macht „die Lokomotive“ Martin Fourcade beim Kampf gegen sich selbst vielleicht doch noch Fehler? Nach der ersten Schießeinlage sah es nicht so aus. Obwohl der Franzose sich  eine Strafrunde leistete konnte er seine komfortable Führung behaupten. Allerdings wurde der Vorsprung ein wenig geringer, denn gleich acht Verfolger blieben fehlerfrei. Darunter auch Andi Birnbacher, der als dritter mit einem Rückstand von 32,5 Sekunden den Schießstand verlassen konnte.
 
Für gleich drei deutsche kam bereits bei ersten Anschlag „das vorzeitige Aus“ aller Hoffnungen. Florian Graf musste dreimal, Christoph Stephan und Erik Lesser sogar viermal in die Strafrunde. Daniel Böhm blieb fehlerfrei und Arnd Peiffer musste „einmal kreiseln“. Auf den Plätzen 16 und 22 waren für beide wenigstens noch die Top Ten Platzierungen in Sichtweite.
 
Nach dem zweiten Anschlag wurde es tatsächlich wieder spannend. Martin Fourcade leistete sich zwei weitere Strafrunden und die Verfolger holten auf. Dominik Landertinger (AUT), Lukas Hofer (ITA), Christoph Sumann (AUT) und auch Andi Birnbacher blieben fehlerfrei. Fünf Athleten bildeten nun, nur um wenige Sekunden getrennt, die Spitzengruppe . Zu diesem Zeitpunkt lag Arnd Peiffer auf dem 10. Platz, Florian Graf belegte Platz 18 und Daniel Böhm ging als 26. in die nächste Runde.
 
Beim dritten Anschlag passierte Andi Birnbacher dann das, was auch andere Athleten in der Vergangenheit schon zu trauriger Berühmtheit geführt hatte. Andi war durch seine Startnummer 3 und durch das Anschießen der Deutschen, auf Bahn 3, vollkommen auf diese Schießbahn fixiert und machte den gravierenden Fehler auf Bahn vier stehend auf die falschen Scheiben zu schießen. Obwohl er alles abräumte, musste er gleich fünfmal in die Strafrunde und somit war der Wettkampf auch für ihn gelaufen.
 
Auch die anderen „Spitzenleute“ machten weitere Fehler und so bahnte sich eine große Überraschung an. Der Österreicher Christoph Sumann ging mit seinen dritten „Nuller“ und einem Vorsprung von 26,6 Sekunden in die vierte Runde. Lukas Hofer und nun Simon und Martin Fourcade waren die nächsten Verfolger.
 
Zur Überraschung aller ließ „Sumi“ auch in der Loipe nicht nach. Zum letzten Anschlag kann er als immer noch führender. Dort schaffte er, was das Ziel aller Biathleten ist. Der vierte „Nuller“ in einem Wettkampf (das gelang ihm erst zum dritten Mal in seiner langen Karriere)  sorgte für eine nicht erwartete Sensation. Mit 34,6 Sekunden Vorsprung ging er auf die Schlussrunde und konnte seinen Vorsprung auf die beiden Fourcade Brüder bis ins Ziel verteidigen.
 
Sehr viel Pech hatte auch Erik Lesser in diesem denkwürdigen Wettkampf. Sieben Strafrunden nach zwei Schießeinlagen, danach noch ein Gewehrwechsel. Respekt, dass man dabei noch die Größe besitzt den Wettkampf, dazu noch als angeschlagener Letzter, zu beenden.
 
Besonders traurig musste aber Andi Birnbacher sein. Es wäre wieder einmal der perfekte Wettkampf, dazu der sichere Sieg und der Sprung auf den 3. Platz im Gesamtweltcup gewesen. Es sollte heute einfach nicht sein. Kopf hoch Birnei! Für zusätzliche Spannung beim Massenstart am Sonntag ist gesorgt.
 
 
  1. Christoph Sumann (AUT) (0-0-0-0)
  2. Simon Fourcade (FRA) (0-0-0-0) (+35,7)
  3. Martin Fourcade (FRA) (1-1-2-1) (+40,4)
  3. Michal Slesingr (CZE) (0-0-1-2) (+40,4)
  8. Arnd Peiffer (GER) (1-0-0-1) (+1:26,8)
  9. Florian Graf (GER) (3-0-0-1) (+1:33,2)
19. Andreas Birnbacher (GER) (0-0-5-0) (+1:55,4)
26. Daniel Böhm (GER) (0-0-0-0) (+2:36,2)
39. Christoph Stephan (GER) (4-0-0-0) (+3:42,0)
51. Benedikt Doll (GER) (1-2-1-2) (+5:03,1)
58. Erik Lesser (GER) (4-3-0-1) (+7:52,3)